„Kontext Musik“

Projektreihe „Kontext Musik“

2001 Clara und Robert Schumann
2002 GlockenZauberGlocken
2003/04 Die Familie Mendelssohn
2005/06 Die Dohnányis
2006/07 Mozarts Welten
2008/09/10 Romantik
Paradiese produktiver Verständigung
2010/11 Moderne – Postmoderne
2011 Darf denn Kunst Arbeit sein?
2012 Heilig glühend Herz! Die Entdeckung der menschlichen Psyche. 1700 – 1800
Projekt-Flyer
Mit den „Schumanns“ fing es vor etlichen Jahren an. Zunächst verfolgten wir zwei Ziele: In der Außenwirkung vermehrt Kontakt zu allgemeinbildenden Schulen der Region zu knüpfen und den Musikunterricht an der Basis tatkräftig zu unterstützen. Schulintern wünschte man sich über die Fachbereichsgrenzen hinaus gemeinsame Arbeitsfelder.

Eine Kunstschule hat im 21. Jahrhundert allerlei mit einem Wirtschaftsunternehmen zu tun: Die BFSM Dinkelsbühl beherbergt nicht umsonst zwei Lehrkräfte mit Kulturmanagement- Diplom. Projekte sind hier wie dort Antriebsmotoren für Innovationen, sie brechen festgefahrene Strukturen auf.

Das Berufsbild des Musikers ändert sich derzeit dramatisch: So schnell können Lehrpläne gar nicht umgeschrieben werden. Die Projektarbeit gibt uns die Möglichkeit, auf aktuelle Tendenzen spontan reagieren zu können.
Musikvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit werden auch für den Privatmusikerzieher oder Lehrer einer Musikschule immer wichtiger.
Mittlerweile laufen die Projekte über zwei Jahre, um allen Anfragen Folge leisten zu können.

Lehrer und Schüler erarbeiten den gesamten Stoff gemeinsam (außerhalb der Unterrichtszeiten), denn es wird auch im Teamwork dialogisch moderiert. Die Moderatoren üben vor: z.B. steht Rhetoriktraining (samt ungeliebter „Video- überwachung“) auf dem Programm. Projektmanagementinhalte werden vermittelt: Wie entwerfe ich einen Flyer und bereite ihn für die Druckerei vor, wie stelle ich Verteiler für Anschreiben zusammen, wie arbeite ich mit einem PC-Präsentationsprogramm sowie mit Laptop und Beamer, wie mache ich die Medien auf meine Aktivitäten aufmerksam und schließlich: Wie terminiert man ein solches Riesenunternehmen optimal?

Was die Mitspieler anbelangt: Vor allem für diejenigen, die ein Schulmusik-Studium anstreben, ist die praxisnahe Erfahrung vor Ort von großem Gewinn. Und alle sammeln Vorspielroutine: Gerade für Aufnahmeprüfungen an Hochschulen ein unschätzbarer Vorteil. Es entstehen gemischte Kammermusikensembles, welche sonst niemals zueinander gefunden hätten…

Die Resonanz ist überwältigend. Nicht nur, dass das Schulprojekt Die Familie Mendelssohn auf über 40 Aufführungen zurück blicken kann, Mozarts Welten bisher über 2500 Schüler

allgemeinbildender Schulen erreicht hat; Deutschlands größte Fachzeitschrift für Musik, die NEUE MUSIKZEITUNG, widmete schon dem Schumann-Projekt eine ganze Seite.

Zusammenhänge transparent machen, ist ein inhaltlicher Leitfaden. Unter dem Dach der Familie Mendelssohn z.B. vereinigen sich Musiker, Literaten, Philosophen, Maler, Bankiers und Politiker. Und so sitzen in den Klassen nicht selten Deutsch-, Geschichts-, Kunst- und Musikkollegiaten in seltener Eintracht zusammen. Die Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen sind von solchen Synergieeffekten sehr angetan.

„Die SchülerInnen waren begeistert von der Vielseitigkeit Ihrer Beleuchtung der Romantik. Vieles, das sie in Deutsch und Kunst gehört hatten, wurde verbunden und durch die Personen, die Sie vorstellten, „erlebbar gemacht“ „, reagiert eine Nürnberger Musiklehrerin.

Jede neue Präsentation wird der Zielgruppe entsprechend einzeln vorbereitet und stets neu zusammengestellt. Unterstufenschüler müssen auch im Tonfall anders „bedient“ werden als Abiturienten. Für Schüler sind andere Dinge relevant als für ein Konzertpublikum. Für die BfsM-Moderatoren, denen jeweils eine eigene kleine Bibliothek zur Verfügung steht, ist die Vielfalt allerdings eher anstrengend: Im Vorfeld müssen sie sich in etliche musikfremde Fachgebiete einlesen und einhören. Philosophie, allgemeine Geschichte, Kunstgeschichte werden thematisiert.

Auch zu Studienfahrten laden Projektaufführungen zuweilen ein. Beispiel Bayreuth: Nachdem man die Geheimnisse des Klavierbaus wie eine erfolgreiche Firmenphilosophie hatte bestaunen können und auch noch im Liszt-Museum vorbeigeschaut hatte, hieß es im Rahmen der Steingraeber-Konzerte einmal mehr: Überzeugungsarbeit leisten in Sachen Projektaufführung („Mendelssohn“ „Dohnányi“)!

Die Projektarbeit verlangt von den Beteiligten ein großes Engagement, das weit über den regulären Unterrichtsbetrieb hinaus geht. Belohnt wird die Arbeit durch den Erfolg, den Beifall, das Wissen, Informationen und Gefühle, die einem wichtig sind (geworden sind), weiter gegeben zu haben, Vorspiel- und Vortragserfahrungen gesammelt, in Schulbetrieb wie Konzertbetrieb hinein geschnuppert zu haben und für sich Horizonte, Möglichkeiten zu entdecken.

Ansprechpartner in Sachen Schulprojekte sind die Dozenten: Daniela Quintern und Erich Schneider.